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So geht’s: Tickets für Nachtzüge in Europa buchen

1. Eine Verbindung finden

Wo fahren derzeit Nachtzüge? – Als die europäische Organisation für (wieder) mehr Nachtzüge hat Back-on-Track eine Karte des europäischen Liniennetzes erstellt. Die Online-Version ist stets auf dem aktuellen Stand und auch als A2-Poster bestellbar. Alle regelmäßig bedienten Ziele und wichtige Bahnhöfe sind enthalten. Das bedeutet: Die Nachtzüge halten an vielen weiteren Orten, die aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht enthalten sind. Mit einem Klick auf die jeweilige Linie gelangt man zu Fahrplan & Buchung.

Eine Verbindung von A nach B findet man über bahn.de, wo nahezu alle europäischen Fahrpläne enthalten sind. Allerdings sucht das System nicht konkret nach Nachtzügen, am besten, man entfernt den Haken bei „schnellste Verbindungen anzeigen“. Bei der Verkehrsmittelwahl fallen Nachtzüge unter „Interregio- und Schnellzüge“.
Hilfreich ist auch die Seite nightride.com speziell für Nachtzüge. Entweder gibt man den Abfahrtsort ein, und sieht alle Ziele mit Direktverbindung. Oder man beginnt mit dem Zielort, hier ein Beispiel für Leipzig-Budapest: Man wählt zuerst Budapest und tippt dann Leipzig als Startbahnhof. Zwar gibt es von hier keinen direkten Nachtzug, doch die Seite schlägt automatisch Dresden und Berlin als nächstgelegene Alternativen vor.

2. Einige Tipps vorab

Die Deutsche Bahn hat ihre Nachtzüge 2016 komplett abgeschafft. Dankenswerterweise übernahmen die ÖBB das Geschäft und schicken die österreichischen Nightjets nach Deutschland, Italien, in die Schweiz sowie nach Amsterdam und Brüssel.

Die Nightjets der neusten Generation, hier unser ausführlicher Bericht, sind hier unterwegs:

  • Hamburg/Hannover/Kassel – Innsbruck, Hamburg/Hannover/Kassel – Wien
  • Zürich/Basel/Freiburg – Düsseldorf/Amsterdam
  • Wien/München – Düsseldorf/Amsterdam, Innsbruck – Düsseldorf/Amsterdam
  • Wien – Bregenz
  • München – Bologna/Florenz/Rom
  • ab Sommer 2026: Zürich – Wien

Mit anderen Nachtzügen ist die Fahrt auch eine kleine Zeitreise: Die letzten Wagen wurden vor 30 Jahren gebaut, aber natürlich zwischenzeitig renoviert, und oft lässt sich sogar noch das Fenster öffnen.

Unsere Initiative Back-on-Track setzt sich dafür ein, dass Nachtzüge zukünftig über 1.500 km zurücklegen. Auch heute lassen sich weite Strecken kombinieren, so von München oder Wien nach Mailand, Venedig oder Rom – und in der folgenden Nacht weiter bis Sizilien (inkl. Fährfahrt). Oder aus dem Süden bis Hamburg, und nach einem Tag an Elbe & Alster weiter nach Stockholm, von dort wiederum in Richtung Polarkreis …

Eine umfangreiche Seite mit Fotos und Beschreibungen vieler Nachtzüge und Abteilarten bietet The Man in Seat 61 (Englisch).
Wer sich in einem konkreten Wagen umschauen will, gibt bei Vagonweb die Zugnummer ein, sieht die planmäßigen Wagen und mit einem Klick auf den Fotoapparat auch deren Inneres.

3. Einen Zug buchen

Auf unserer Nachtzugkarte sind die Websites der Betreiber genannt. Wir empfehlen zudem auf die Bahn spezialisierte Reisebüros wie die Bahnagentur Schöneberg, die tief in die Trickkiste greifen, günstige Alternativen kennen und wissen, was funktioniert und was nicht. Eine etwaige Buchungsgebühr ist also gut investiert (Grund: die Provision auf Tickets ist überschaubar oder gar nicht vorhanden).

Eine Tag-Verbindung ins Ausland zu buchen, klappt auf bahn.de prima. Aufgepasst: Wenn der Nachtzug auch einen Intercity-Zugteil hat, ist auch dieser buchbar – man landet jedoch im Sitzwagen. Für internationale Verbindungen gibt es inzwischen eine übersichtlichere Seite, wo man Schlaf- und Liegeplätze als „Upgrade“ hinzufügen kann.
Andere Nachtzüge als die ÖBB Nightjets sind kaum erhältlich. Back-on-Track unterstützt Forderungen, dass die marktbeherrschende Plattform der DB auch die Tickets anderer Anbieter verkauft.

Achtung, Anschlussfalle: Für die Fahrgastrechte wäre es wichtig, dass alle betroffenen Verbindungen gemeinsam gebucht werden und einen Beförderungsvertrag darstellen. Bucht man bei der DB einen ICE + Nachtzug, wird explizit darauf hingewiesen, dass es zwei Beförderungsverträge sind. Für jeden separat hat man selbstverständlich Fahrgastrechte, aber eben nicht für den Umstieg.

Beispiel Berlin-Rom: Die komplette Buchung ist bei der DB möglich, also Berlin-München im ICE und weiter per Nightjet nach Rom. Verspätet sich der ICE und ist der Nightjet weg, besteht kein Anspruch auf Ersatzleistungen (im Zweifelsfall: Hotelübernachtung und Weiterfahrt am nächsten Morgen, plus weitere Erstattungen). Vorteil: Für den ICE werden Sparpreise mit Bahncard-Rabatt angeboten.
Bucht man diese Reise bei der ÖBB, ist der Abschnitt nach München ein „Anschlussticket Nightjet“ – also ein Beförderungsvertrag für die Gesamtstrecke, mit freier Zugwahl am Reisetag auf der Anschlussverbindung zum Nighjet. Das ist gut, aber das ist teuer.

Empfehlung: Lieber ein Abendessen am Abfahrtsort des Nachtzuges einplanen, und im Zweifelsfall dieses verpassen – anstatt den Nachtzug. Denn selbst wenn eine Übernachtung erstattet wird, man möchte doch morgens am Ziel aufwachen und nicht im Hotel.
Übrigens, auch bei getrennt gebuchten Tickets: Die großen Bahnen (incl. Eurostar, exkl. European Sleeper) haben eine Vereinbarung namens AJC, die für Anschlüsse im internationalen Fernverkehr (also nicht Deutschlandticket, ÖPNV) die Weiterreise ermöglicht – im nächsten Zug des ursprünglichen Anbieters:

Abkommen über die Weiterreise im internationalen Eisenbahn-Personenverkehr (AJC) – Details & FAQ auf bahn.de

Es gelten die europäischen Fahrgastrechte: 25% Entschädigung zwischen 60 und 119 Minuten Verspätung am Zielort, 50% darüber hinaus, sofern in der Verantwortung der entsprechenden Bahn.

Interrail: Die Kombination mit Interrail ist oft lohnenswert, die Aufpreise gibt es online bei der ÖBB, im Reisezentrum der DB, bei den Schweden-Nachtzügen auf der jeweiligen Website und für Frankreich am einfachsten über „Rail Europe“.
Pässe mit Gültigkeit von 4 Tagen bis 3 Monaten sind für alle erhältlich, für Jugendliche & Senioren günstiger. Auch hier kennen Reisebüros die meisten Tipps.

4. Unsere Erfahrungen mit den Anbietern

ÖBB / Nightjet

Die ÖBB erreichten regelmäßig Anfragen, ob ihr Buchungssystem kaputt sei, wenn es heißt „Ticket nicht verfügbar“. Inzwischen gibt es eine Verbesserung: Man sieht, ob der Zug ausverkauft ist, oder die Tickets noch gar nicht im Verkauf. Die normale Vorausbuchungsfrist sind 6 Monate, oft aber eher 1-2 Monate. Der Grund sind Bauarbeiten in den Netzen, die zumeist nachts durchgeführt werden. Und bis diese nicht geplant sind, bekommt ein Nachtzug keinen Fahrplan.

Nun ist es im ureigensten Sinne der ÖBB, Tickets zu verkaufen. Und so wurde der „vorläufige Fahrplan“ entwickelt – Buchungen unter dem Vorbehalt, dass sich die Zeiten noch ändern können. Dabei geht es um Zeiten unter einer Stunde, und darauf wird bei der Buchung auch hingewiesen. Sind höhere Abweichungen zu erwarten, startet der Verkauf erst, wenn der Fahrplan zugeteilt wurde.

Info für Italien-Reisende: Der Nightjet nach La Spezia wurde im Dezember 2025 eingestellt, da die Trenitalia keine Loks mehr bereitstellt.

Wer mit mehr als einer Person reist, mache sich auf ein gewisses Preisroulette gefasst: Die ÖBB verkaufen, je nach Auslastung, verschiedene Preisstufen. Ist eine davon nicht mehr für alle Reisenden vorhanden, beginnt das große Mischen. Die Bahncard wird auf einige Angebote angerechnet. Dazu gibt es die nicht stornierbare „Sparschiene“, die bis 15 Tage vor Abfahrt kostenlos stornierbare „Sparschiene Komfort“ (dann 50%, bis 1 Tag vor Abreise) und das Standard-Ticket, welches bis 1 Tag vor Abreise kostenlos zurückgegeben werden kann. Back-on-Track freut sich, dass die versprochene Nachjustierungen des Preissystems Anfang 2026 erfolgt ist – es gibt wieder bessere Preise, auch für Interrail.

Mit der Seite nightjet.com haben die ÖBB übrigens noch ein Parallelsystem, wo sich Verfügbarkeiten und Preise einfacher prüfen lassen.
Interrail lässt sich jeweils als Ermäßigungskarte auswählen.

Wer den Urlaub plant und die Wunschverbindung ist verfügbar: Buchen, als Komfort- oder Standardticket – was man hat, das hat man, und kann es 1-15 Tage vor Abfahrt kostenlos stornieren. Andersherum können so wieder Plätze frei werden, also immer mal wieder reinschauen.

Familien sind im Liegewagen am besten aufgehoben, mit Kleinkindern eignen sich auch die „alten“ Sitzwagen als Privatabteil: Die Sitze können zu einer großen Liegefläche zusammengeschoben werden, Decken mitbringen & gute Nacht.
Solche Reisen sind für Kinder ein großartiges Erlebnis, wer aufs Geld achten muss: Im Sparpreis Europa der DB sind Kinder im Tagverkehr oft mit inklusive, beim ÖBB Nightjet gibt es die Abstufungen „bis 5 Jahre ohne eigenen Platz = kostenlos“, oder mit eigenem Platz 0-5, 5-9, 10-14 Jahre).

Weitere Anbieter

  • Für Verbindungen nach Schweden hat SJ eine sehr vorbildliche App. Für eine Weiterreise innerhalb Schwedens möglichst bis zum Endbahnhof buchen, wegen der Fahrgastrechte beim Anschluss. Ab 1.9.26 wird diese Linie saisonal von RDC Deutschland betrieben.
    Snälltåget verkauf auf der eigenen Website (englisch, nur 6er Liegewagen).
  • Trenitalia: Auch nicht stornierbare (Super)Economy-Tickets können zu 90% erstattet werden, wenn man die entsprechende „Opzione tiRimborso“ für 1€/2€ hinzufügt: „Mit dieser Option können Sie bis 24 Uhr des zweiten Tages vor Abfahrt des Zuges eine Teilrückerstattung beantragen, wobei eine Gebühr von 10 % einbehalten wird.“
  • Der European Sleeper hat ein eigenes, simples Buchungssystem. Wenn es von Brüssel-Midi mit dem Eurostar weiter nach London geht: ausreichend Umsteigezeit einplanen, auch für die Sicherheitskontrolle. Erfahrungswert: Im Falle des Falles ist das Personal am Eurostar Counter (bei freundlicher Schilderung der Situation) unerwartet kulant.
  • Interrail/Eurail-Pässe werden auf diesen Verbindungen anerkannt und sind auch für Erwachsene erhältlich, die Reservierungen sind separat zu zahlen. Bei SJ unter „Add SJ Prio/period ticket“ (beliebige Nummer für Preisabfragen eingeben). Bei Trenitalia ist manchmal die direkte Buchung ohne Interrail günstiger, Vergleichspreis über das Interrail-Reservierungssystem.
  • Für die SNCF-Züge Intercités de Nuit von Paris nach Südfrankreich verkauft Rail Europe (wie auch für den TGV) Reservierungen mit 2 € Buchungsgebühr, zudem bis 30 Minuten nach Abfahrt kostenlos stornierbar. Hier gibt eine Übersicht als PDF, an welchen Tagen die Nachtzüge von/nach Nizza, Toulouse, Latour-de-Carol, Rodez, Albi, Aurillac und Bayonne – Lourdes – Tarbes verkehren.
  • Kroatien: Der Zug nach Zagreb ab München/Zürich ist über die ÖBB buchbar, die Strecke Zagreb-Split im Liegewagen über HZPP, Schlafwagen über rezervacije@hzpp.hr

Mehr Informationen zu unserer europaweiten Initiative für mehr Nachtzüge – und die Möglichkeiten, uns zu unterstützen!


Autor: Patrick Neumann

Nachtzug TrenitaliaIntercity Notte der Trenitalia in Milano Centrale / Ankunft dieser Linie in Taormina-Giardini auf Sizilien | Patrick Neumann